Theater

5. November 2020

Die Reise der Verlorenen

ALTONAER THEATER

Das Schauspiel »Die Reise der Verlorenen« von Daniel Kehlmann zeigt Stoff von Gegenwärtigkeit, obwohl die Geschichte 1939 spielt: Es geht um die Fluchtgeschichte von 937 Juden an Bord der St. Louis. Auf der Fahrt zum scheinbar sicheren Hafen müssen die Passagiere feststellen, dass sie kein Hafen aufnehmen möchte.

937 Juden und Jüdinnen wollen Hamburg verlassen, da die Verfolgung durch die Nationalsozialisten unerträglich geworden ist. Der Seeweg führt sie erst nach Kuba, von wo aus die Passagiere dann weiter in die USA einreisen möchten. Kurz bevor das Schiff am Hafen von Kuba anlegt, verweigert die dortige Regierung die Einreise. Auch die USA und Kanada sperren sich und so beginnt die unerträgliche Irrfahrt der St. Louis voller Panik, am Ende nach Hamburg ins nationalsozialistische Deutschland zurückkehren zu müssen. Zwischen Hoffen und Bangen ergreift der Kapitän die Initiative und will das Schiff auf Grund laufen lassen, um Hilfe zu erzwingen. Ein Kampf ums Überleben beginnt.

Die erschütternde Fluchtgeschichte der St. Louis wurde in den 1970er Jahren durch den Tatsachenroman »Voyage of the Damned« der amerikanischen Journalisten Gordon Thomas und Max Morgan-Witts bekannt. Aktuelle Relevanz und Brisanz kann man dem Thema in Zeiten von unzähligen Flucht-Schicksalen im Mittelmeerraum und der unorganisierten Aufnahme von Schutzbedürftigen nicht absprechen – ganz ohne aktuelle Fluchtdramen zu erwähnen will der Autor Daniel Kehlmann in »Die Reise der Verlorenen« dieses gegenwärtige Dilemma verarbeiten. Vom 18. Oktober bis 22. November ist das Schauspiel auf der Bühne des Altonaer Theaters zu sehen.

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