Theater

2. Oktober 2020

Reich des Todes

DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS

Das Deutsche Schauspielhaus startete nach monatelanger Pause Anfang September endlich in die neue Spielsaison. Los ging es mit dem Stück »Reich des Todes« unter der Regie von Karin Beier. Am 2.Oktober findet wieder eine Vorstellung des Stücks statt.

Das Thema des Theaterstückes ist eine Regierung, die im Schatten einer drohenden Gefahr tatsächlich ein autoritäres Regime der Staatsführung etablierte. So liegt ein Fokus auf dem "Krieg gegen den Terror", den George W. Bush unmittelbar nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 deklarierte. Rainald Goetz, der das Stück geschrieben hat, hat die handelnden Politikerinnen und Politiker allerdings nach Hades verbannt, gemeinsam mit den Soldatinnen und Soldaten von Abu Ghraib, die ihre Schandtaten auch noch fotografierten. Den Stückfiguren weist Goetz zwar die gleichen Rollen zu, gibt ihnen aber andere Namen, die oft an Persönlichkeiten aus verschiedenen Zeiten erinnern: Roon, preußischer Kriegsminister des 19. Jahrhunderts, Kelsen, der berühmte Verfassungsrechtler der Weimarer Republik, und viele mehr. 

So schafft Goetz ein Stück, das vor allem von einer Sache geprägt ist: Mehrdeutigkeit. Das Publikum wird stets zu neuen Kontextualisierungen aufgefordert, sei es durch direkte Anspielungen oder mithilfe von assoziativen Impulsen. Goetz verhandelt auf grundsätzliche und spielerische Weise über Strukturen von Machtpolitik und Machtmissbrauch. Eine interessante Sichtweise darauf, wie man mit Krisen umgehen kann.

Geprobt wurde aufgrund von Abstandsregelungen in Tellerröcken, die aus Schwimmnudeln und Schaumstoff bestehen, um genügend Abstand zu anderen Leuten auf der Bühne garantieren zu können. Teil der Aufführung werden jene wohl allerdings nicht mehr sein. Am 19. September ist das gelungene Stück »Reich des Todes« von Rainald Goetz auf der Bühne des Deutschen Schauspielhauses zu sehen.

Nach der Corona-bedingten Schließung des Theaters gibt es ab September endlich wieder Aufführungen im Deutschen Schauspielhaus (Foto © Arno Declair)

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